Stellungnahme
zum Artikel aus der “TZ“ München vom Freitag, dem 19. September 2008,
Titelseite und Seite 3 von Jacob Mell und E. Unfried
http://www.tz-online.de/de/aktuelles/muenchen/artikel_46958.html
„Sex Razzien in Münchner Hotels – Illegale Prostitution, Menschenhandel, Polizei ermittelt!“ und „Bezahlter Sex im Hotel: Polizei jagt Liebesdamen“
Diese Stellungnahme wird von mehreren bundesweit tätigen Begleitagenturen unterstützt!
Wir distanzieren uns in aller Form von den im oben genannten Artikel aufgestellten Behauptungen und Pauschalverurteilungen, die Bezug nehmen auf das Geschäftsgebaren von in Deutschland tätigen Begleit- und Escortagenturen.
Dass Begleitagenturen, die im Artikel teilweise als Menschenhändler bezeichnet werden, unter falschen Versprechungen Damen aus dem Ausland nach Deutschland locken, um sie dann hier der Prostitution zuzuführen, entspricht in den überwiegenden Fällen nicht der Wahrheit.
Wir können nicht ausschließen, dass es auch in unserer Branche – wie in jedem anderen Wirtschaftszweig auch – Unternehmen gibt, die sich über bestehende Gesetze und Verordnungen hinwegsetzen, diese ignorieren und möglicherweise auch mit ihren freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht fair umgehen. Dass gehen derartige „schwarze Schafe“ ermittelt wird, begrüßen wir ausdrücklich.
Allerdings wird im genannten Artikel der Eindruck erweckt, alle oder zumindest die meisten Agenturen würden unseriös arbeiten. Dies widerspricht der Realität.
Wir führen bezüglich dieser Problematik seit einiger Zeit eine Diskussion, in wie weit eine Art „Zertifizierung“ für seriös arbeitende Begleit- und Escortagenturen oder eine von Seiten der zuständigen Behörden zu vergebende Lizenzierung für die Eröffnung und den Betrieb einer Begleitagentur in Deutschland sinnvoll wäre.
Wir wissen, dass es zum Beispiel in der Modebranche eine ganze Reihe von seriös arbeitenden Modelagenturen gibt, die eine „Empfehlung“ von der Agentur für Arbeit erhalten und an denen sich angehende oder bereits tätige Models orientieren können.
Es gibt unter den in Deutschland ansässigen Begleit- und Escortagenturen eine Vielzahl seriös geführter Unternehmen, die die jeweiligen Verordnungen und Gesetze beachten, die ihre Steuern zahlen und die mit ihren freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine aufrichtige und verantwortungsvolle Zusammenarbeit pflegen.
Das massive Vorgehen des Münchner Ordnungsamtes mit Einsatz von „Scheinfreiern“, gezielter Beeinflussung von Agenturmitarbeitern und Escorts, erkennungsdienstlicher Behandlung der Damen, Handy-Beschlagnahme zur „Beweissicherung“, Drohungen usw. widerspricht jeder Verhältnismäßigkeit, was sich allein aus der Zahl der angeblich 800 überprüften Escortdamen und gerade mal 22 überführten Damen ableiten lässt.
Die Tatsache, dass es in ganz Deutschland Sperrbezirke gibt, ist uns bekannt. Allein im Großraum München kam und kommt es immer wieder zu derartigen Kontrollen. In anderen Städten und Gemeinden Deutschlands beziehen sich diese Überprüfungen vorwiegend auf die Straßenprostitution. Da es sich hier um eine in der Öffentlichkeit stattfindende Art des Paysex-Geschäfts handelt, ist sicher eine Reglementierung, die dem „Schutze des öffentlichen Anstandes und der Jugend“ Rechnung trägt, notwendig.
Bei Escort handelt es sich aber um die diskreteste Form von Prostitution. Escort und Begleitservice findet entweder in den privaten Wohnräumen des Kunden oder aber in einem Hotelzimmer – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – statt.
Daher bezweifeln wir, dass der „öffentliche Anstand und der Schutz der Jugend“ durch diskreten Escortservice gefährdet wäre und eine Reglementierung durch eine Sperrbezirksverordnung, die sich auch auf Privatwohnungen des Kunden und Hotelzimmer bezieht, in Einklang mit geltendem Recht steht.
Wir wissen, dass sich unsere Mitarbeiterinnen zum momentanen Zeitpunkt an die Rechtsverordnung der Regierung von Oberbayern zu halten haben.
Wir, die seriös arbeitenden Agenturen, werden uns mit diesem „bayerischen Sonderweg“ aber nicht mehr abfinden und in der Zukunft auf politischer und gerichtlicher Ebene gegen die Kriminalisierung von Escortdamen und deren Agenturen vorgehen.
Außerdem wollen wir durch gezielte Information der Medien erreichen, dass sich auch in der Öffentlichkeit das Bild des „bezahlten Sex“ wandelt und wirklichkeitsnaher darstellt oder zumindest differenzierter betrachtet wird.
